Münsterland weltweit

Vielleicht ist es auch der mittelständischen Struktur mit großer Handwerkstradition  geschuldet, dass sich das Münsterland zu einem der wichtigsten Maschinenbau-Cluster der Republik entwickelt hat. Die meisten Maschinenbau-Unternehmen haben einen hohen Export-Anteil, manche bis über 80 Prozent. Seit 1980 hat sich der Export im Münsterland verfünffacht: 38 Prozent des Gesamtumsatzes der Unternehmen im Kammerbezirk der IHK Nordwestfalen in Münster wird im Ausland erwirtschaftet – in 170 Ländern der Erde verkaufen Unternehmen aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region Waren und Dienstleistungen im Wert von 18 Milliarden Euro – mehr als das Land Schleswig-Holstein.

Münster-Land-Technik

Und auch diese Branche ist typisch für die Region: im Norden des Münsterlandes ziehen sich wie Perlen an der Schnur Landtechnik-Unternehmen von Harsewinkel im Osten bis Spelle im Nordwesten. Allesamt Hightech-Unternehmen, die viele ihrer Zulieferer, vom Getriebe- bis zum Hydraulik-Spezialisten, ebenfalls im Münsterland finden. An der Landtechnik wird deutlich, wie nah Landwirtschaft und Industrie im Münsterland zusammenliegen: auch mit der Gewinnung erneuerbarer Energie wird im Münsterland Geld verdient: einige der führenden Hersteller von Biogas-Anlagen und Erdwärmepumpen sind dort beheimatet. Und gleich nebenan, in der Fachhochschule Münster, am Campus Steinfurt, wird in den Bereichen Bau, Umwelt und Ressourcen geforscht und gelehrt. Kein Wunder, dass der Kreis Steinfurt sich das ehrgeizige Ziel gesetzt hat, im Jahr 2050 energieautark zu sein. Die Landwirte der Region sind dabei als Rohstoff-Lieferanten fest eingeplant. Von ihnen profitiert aber auch ein weiteres Cluster der münsterländischen Wirtschaft. Nirgendwo in Deutschland gibt es eine derartige Konzentration von Lebensmittelherstellern!

Münsterland geht durch den Magen!

Bekannte Lebensmittel-Marken wie Apetito, Iglo und Humana werden flankiert von Stockmeier, Menzi oder Hartmann. Wer die Namen noch nicht gehört hat, hat doch sicher schon das eine oder andere Produkt dieser Unternehmen gegessen oder im Supermarkt-Regal in der Hand gehabt. Immerhin verzeichnen die münsterländischen Unternehmen der Branche einen Milliardenumsatz. Ob Fertiggerichte, Tiefkühl-Spinat, Frischfleisch, Suppen oder Wurstwaren – Produkte aus dem Münsterland schmecken. In Deutschland und in aller Welt.  

Starke Marken made in Münsterland

Maschinen und Technologie, made im Münsterland, zählen etwas in der Welt. Hupfer Metallbau aus Coesfeld exportiert Sterilguttechnik und Großküchentechnik, die Firma Dornieden in Billerbeck hat die Requisitenlager für das Moskauer Bolschoi-Theater geliefert. Maschinenbau Scholz in Coesfeld baut riesige Autoklaven für die internationale Luftfahrt- und Automobilindustrie: Kohlefaserverbundstoffe sind ohne diese Maschinen gar nicht herstellbar. Auch Zechenstandort war das Münsterland, als östlichster Ausläufer des Ruhrgebietes quasi, mit der Zeche Westfalen in Ahlen. Den Strukturwandel hat man dort mit Bravour bewältigt – in Ahlen haben längst Industrie, Handel und Dienstleistungen den Platz von Kohle und Stahl eingenommen. Obwohl die Stahlverarbeitung noch heute einen Platz hat im Münsterland – bei der Herstellung von hochwertigen Badewannen und in der Automobilzulieferindustrie. So hat mitten in Ahlen die Firma Kaldewei ihr Stammhaus. Und nicht nur Autofelgen werden im Münsterland hergestellt, sondern auch die gewaltigen Maschinen, Metall-Tiefzieh- und Kaltformtechnik mit denen aus einem Stück Stahl allein mit hydraulischem Druck solche Felgen „gepresst“ werden. Apropos Auto: ohne Engineering, made in Münsterland, würde die internationale Automobilindustrie ohne Innovationen dastehen: hier werden viele der Fertigungsmaschinen entwickelt, mit denen moderne Fahrzeugkomponenten hergestellt werden. Die Firma Claas-Fertigungstechnik entwickelt für alle namhaften Hersteller, unter anderem Audi, Porsche, Mercedes und VW. Zudem ist Claas bei Boeing und Airbus gleichzeitig unter Vertrag: unter anderem werden dort Transport-Module für die Flugzeugherstellung entwickelt. Dabei ist Claas als Familienunternehmen eigentlich für seine Mähdrescher und Traktoren bekannt.

Das alles nimmt man kaum wahr, wenn man über die Autobahnen 1 und 2 durch die Region fährt, und selbst wenn man sich mehr Zeit nimmt, muss man schon genau hinsehen, um die wirtschaftliche Kraft des Münsterlandes wahrzunehmen. Die sprichwörtliche Parklandschaft, die malerischen Schlösser und Fachwerk-Bauerhöfe und die vielen Pferde auf den Weiden sehen einfach zu beschaulich aus. Dabei haben die schlauen Westfalen aus ebendiesen edlen Pferden einen weltweiten Exportschlager gemacht und verdienen auch damit Geld.